Nuran David Calis bringt mit Jugendlichen aus allen Zukunftshäusern ein gemeinsames Theaterstück auf die Bühne des Bochumer Schauspielhauses.
Der Regisseur Nuran David Calis begleitete die Arbeit der Zukunftshäuser das ganze Jahr über. In der zweiten Jahreshälfte erarbeitete er mit Jugendlichen als allen Häusern für das Repertoire des Schauspielhauses Bochum ein gemeinsames Stück, das sie alle verbindet, quer über alle städtischen, sozialen und kulturellen Grenzen hinweg. NEXT GENERATION – DAS STÜCK ist eine laute Mischung aus Tanz, Musik und Theater, in dem sich heute die zu Wort melden, von denen abhängen wird, wie wir morgen leben werden. „Vielleicht machen Calis und das Schauspielhaus das Theater, das wir gerade brauchen“ schrieb Stefan Keim nach der Premiere in der Frankfurter Rundschau.
Premiere war am 28.10.2010, das Stück wird weiterhin im Repertoire des Schauspielhauses gespielt. Termine unter http://www.schauspielhausbochum.de
aus dem Programmheft:
DIE NÄCHSTE GENERATION (über das Stück)
von Sascha Kölzow und Jessica Páez
Die Jugend rebelliert nicht mehr. Die Jugend ist übersexualisiert und säuft sich jedes Wochenende ins Koma. Die Jugend ist dümmer als früher. Die Jugend ist unpolitisch. Die Jugend hat keine Werte. Und die Jugend aus „anderen Kulturkreisen“ kann man sowieso abschreiben. Es ist die „Generation Youporn“, die „Generation Suff“, die „Generation Web 2.0“, die „Generation Praktikum“. An Etiketten für „die Jugend von heute“ mangelt es nicht und ebenso wenig an der Erkenntnis, dass doch keines davon wirklich zutrifft.
Die Menschen, die wir in den Zukunftshäusern getroffen haben und von denen 37 hier auf der Bühne stehen, repräsentieren nicht eine Generation, sie sind einfach die nächste. Sie wurden gefragt, was ihre Träume sind, woher sie kommen, was sie besonders gut können und was für sie eine Metropole ist. Und genau das, was sie darauf geantwortet haben, kommt ungefiltert auf die Bühne. Jedes Wort stammt von ihnen selbst. So entsteht kein Stücktext aus einem Guss, sondern das Abbild der vielen Facetten, die die Welt dieser Jugendlichen ausmachen.
Was sie eint, ist ihre Unterschiedlichkeit und die Tatsache, dass von ihnen abhängt, wie das Leben in Zukunft aussehen wird. So unterschiedlich wie ihre Herkunft sind ihre Fähigkeiten, ihre Träume und ihre Meinung darüber, ob wir hier an der Ruhr in einer Metropole leben, leben werden oder leben wollen. Sie wollen nicht alle das Gleiche, aber alle wollen etwas: für sich, für die anderen, für die Welt. Und sie finden tausend Wege, um ihren Träumen näher zu kommen.
Dieses Stück, das zehnte Zukunftshaus, hört ihnen zu, ohne Vorbehalte und Schablonen. Es ist eine Versuchsanordnung, die die Zukunftsentwürfe und vielschichtigen Biografien der nächsten Generation einander begegnen lässt. Je mehr sich ihre Lebensentwürfe zu widersprechen beginnen, umso deutlicher werden sie. Diese Generation ist alles andere als eine homogene, und gerade das macht ihren Reiz aus. Das Stück projiziert nicht die Sehnsüchte und Ängste der heute einflussreichen Generationen auf die nächste. Im Gegenteil:
Liebe NEXT GENERATION, hiermit übergeben wir euch unser Theater. Wir haben euch gezeigt, wie es funktioniert. Aber dieses Stück habt ihr geschrieben und werdet es in Zukunft weiter schreiben – nehmt euch diesen Raum: zum Träumen, zum Scheitern, zum Fliegen oder einfach: zum Spielen.
aus: NEXT GENERATION – DAS STÜCK, Programmheft, Schauspielhaus Bochum 2010/11