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Zukunftswünsche vor und hinter der Kamera

Das Jugendprojekt "Next Generation" im Ruhrgebiet

Helen muss aufpassen, dass sie nicht wieder kichert. Konzentriert blickt die 18Jährige durch die Linse ihrer Spiegelreflexkamera, während sie selbst fotografiert wird. Helen ist eine von 15 Teilnehmerinnen eines Fototeams von „Next Generation“. So heißt das größte Jugendprojekt der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, initiiert von der Bundeszentrale für politische Bildung und vom Schauspiel Bochum. Jugendliche aus dem ganzen Ruhrgebiet schreiben das ganze Jahr über Theaterstücke, drehen Filme oder produzieren ein Fotobuch wie Helens Gruppe aus Duisburg, deren Mitglieder sich gegenseitig mit der Kamera portraitieren. Heute ist der 15Jährige Maxim der Fotograf, Helen das Modell. „Ich find’s klasse, dass es so was für Jugendliche gibt“, sagt Maxim und drückt auf den Auslöser. Helen will sich in ihrer typischen Umgebung ablichten lassen. Das erste Motiv: Helen vor dem Haus ihrer Mutter. Dass sie dabei selbst eine Kamera hält, ist ihr wichtig, denn sie fotografiert genau wie Maxim seit einigen Jahren mit großer Begeisterung in ihrer Freizeit.

 Wie bei jedem Fototermin ist auch diesmal Steffi Sprock mit dabei, Studentin der Kommunikationswissenschaften und zuständig für die Koordination des Projekts. Steffi Sprock blickt Maxim über die Schulter, sieht sich die Aufnahmen an, nickt zufrieden. Am Ende soll es von jedem Jugendlichen neun Bilder geben, in der Mitte ein großes Portrait. Außen rum sind Themenfotos gruppiert - Familie, Freunde, Bildung, Alltag, berichtet die Projektleiterin: „Außerdem soll es noch ein Zukunftsbild geben. Die Jugendlichen halten sich ein Schild vor die Brust, auf dem steht, was sie sich wünschen, was sie sich erträumen, was sie gern mal werden möchten.“ Eine Aufgabe, die gar nicht so leicht ist, findet Helen. Und so lässt sie sich heute erst mal nur in ihrer gewohnten Umgebung fotografieren – als nächstes mit ihrem Kaninchen auf dem Arm. Auch Maxim fällt die Antwort auf die Frage schwer, weil er viel zu viele Ideen auf einmal für seine Zukunft hat: „Ich würde gern was mit Musik machen oder mit Fotografie. Dabei bin ich mir allerdings noch nicht ganz sicher, weil man als

Fotograf ziemlich viel Glück haben muss, damit man erfolgreich ist oder zumindest davon leben kann. Oder ich werde Pilot.“

Bis nächste Woche hat Maxim Zeit zu überlegen, mit welchem Wunsch er sich ablichten lassen will. Dann soll das Fotobuch auch schon in die Produktion gehen, damit die Jugendlichen mit dem nächsten Projekt beginnen können: einem Film, der in Duisburgs Multikulti-Viertel Marxloh spielt und bei dem es um das Thema Angst gehen soll, verrät der 15Jährige, der auch dort den Kameramann spielen wird: „Wir erzählen die Geschichte eines Jungen, der auch bei Next Generation mitmacht. Er heißt Ahmed und ist mit seinen Eltern zu Fuß aus dem Irak nach Deutschland geflohen. Der ganze Film ist symbolisch gemeint und steht für die Angst vor Zukunft.“ Doch erst mal muss jetzt das Fotobuch fertig werden. Die letzte Station für Helen an diesem Nachmittag ist ihre Schule. Die Putzfrau hat extra das Klassenzimmer aufgeschlossen. Helen posiert vor der Tafel, schreibt eine Funktion darauf – sie hat Mathematik als Leistungskurs. Maxim blickt beeindruckt auf die Formel, die mehrere Zeilen einnimmt, und drückt auf den Auflöser.

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